Stallreinigung, Desinfektion und Ultradiffusion
Eine wirksame Stallhygiene entsteht durch das systematische Zusammenspiel
mehrerer Maßnahmen. Organische Verschmutzungen müssen zunächst möglichst
vollständig entfernt werden, bevor gereinigte Oberflächen wirksam
desinfiziert werden können. Erst danach kann eine abschließende
Raumdesinfektion das mehrstufige Hygienekonzept ergänzen.
Erfahren Sie, wie Reinigung, Trocknung und Desinfektion aufeinander
aufbauen, welche Stall- und Funktionsbereiche berücksichtigt werden sollten
und wie die Ultradiffusion als Trockenaerosol-Rauchverfahren eingesetzt wird.
Stallreinigung als Grundlage jeder Desinfektion
Ziel der Stallreinigung ist es, organische Verschmutzungen wie Kot,
Einstreu, Staub, Futterreste, Biofilme und andere Ablagerungen möglichst
vollständig von den Stalloberflächen und Einrichtungen zu entfernen.
Diese Rückstände können Mikroorganismen günstige Lebensbedingungen bieten
und verhindern, dass ein Desinfektionsmittel die zu behandelnden
Oberflächen ausreichend erreicht. Deshalb kann eine Desinfektion die
gründliche Reinigung des Stalls nicht ersetzen.
Bereits durch eine fachgerecht durchgeführte Reinigung lässt sich die
organische Belastung reduzieren. Gleichzeitig schafft sie die notwendige
Voraussetzung für die nachfolgenden Hygienemaßnahmen.
Eine wirksame Desinfektion beginnt immer mit einer gründlichen Reinigung.
Dabei sollten nicht nur gut sichtbare Flächen berücksichtigt werden. Auch
Fugen, Übergänge, Ecken, Lüftungseinrichtungen, technische Anlagen sowie
Futter- und Wassersysteme können hygienisch relevante Rückstände aufweisen.
Die wesentlichen Reinigungsschritte
- vollständige Ausstallung,
- Entfernung von Einstreu, Mist und groben Rückständen,
- Trockenreinigung schwer zugänglicher und empfindlicher Bereiche,
- Vorwäsche geeigneter Stallflächen,
- Auftragen eines geeigneten Schaumreinigers,
- Einhaltung der vorgesehenen Einwirkzeit,
- gründliche Hochdruckreinigung,
- Kontrolle der gereinigten Flächen,
- ausreichende Trocknung des Stalls.
Die konkrete Durchführung muss an Stalltyp, Tierart, technische Ausstattung
und die betrieblichen Gegebenheiten angepasst werden.
Schaumreinigung im Stall
Warum wird ein Schaumreiniger eingesetzt?
Vor der Hochdruckreinigung kann ein geeigneter Schaumreiniger auf Böden,
Wände, Decken und Stalleinrichtungen aufgetragen werden. Der
Reinigungsschaum haftet auch an senkrechten Flächen und ermöglicht einen
längeren Kontakt mit den vorhandenen Verschmutzungen.
Während der vorgesehenen Einwirkzeit können organische Rückstände angelöst
werden. Anschließend werden der Schaum und die gelösten Verschmutzungen
durch die Hochdruckreinigung entfernt.
Entscheidend ist, dass das eingesetzte Reinigungsmittel für die jeweiligen
Materialien und den vorgesehenen Anwendungsbereich geeignet ist.
Konzentration, Einwirkzeit und Verarbeitung richten sich nach den
verbindlichen Angaben des Herstellers.
Hochdruckreinigung des Stalls
Verschmutzungen systematisch entfernen
Nach der Einwirkzeit des Schaumreinigers erfolgt die gründliche
Hochdruckreinigung. Dabei sollten sämtliche dafür geeigneten Stallbereiche
systematisch bearbeitet werden. Dazu gehören insbesondere:
- Böden und Wände,
- Decken und Übergänge,
- Stalleinrichtungen,
- Futter- und Tränkeeinrichtungen,
- Lüftungsbereiche,
- Fugen und Randbereiche,
- schwer zugängliche Flächen hinter oder unter technischen Anlagen.
Im zugrunde liegenden Hygienekonzept wird für geeignete Bereiche warmes
Wasser mit einer Temperatur von etwa 70 °C genannt. Die tatsächlich
geeignete Wassertemperatur und der Arbeitsdruck müssen jedoch immer an die
vorhandenen Oberflächen, Einrichtungen und betrieblichen Vorgaben angepasst
werden.
Ein unkontrollierter Einsatz von hohem Druck kann belastete Flüssigkeiten
und Schmutzpartikel verteilen. Die Reinigung sollte deshalb in einer
festgelegten Reihenfolge erfolgen und bereits gereinigte Bereiche nicht
erneut verunreinigen.
Trocknung des Stalls
Warum ist die Trocknung vor der Desinfektion wichtig?
Nach der Reinigung sollte der Stall ausreichend trocknen. Verbleibende
Feuchtigkeit kann nachfolgende Hygienemaßnahmen beeinflussen und
gleichzeitig günstige Bedingungen für bestimmte Mikroorganismen schaffen.
Auch nach der ersten Desinfektion ist vor dem Einstreuen eine ausreichende
Trocknung sinnvoll. Dabei müssen neben Böden und Wänden insbesondere Fugen,
Vertiefungen, technische Einbauten und andere Bereiche kontrolliert werden,
in denen Wasser länger stehen bleiben kann.
Die benötigte Trocknungsdauer ist von mehreren Faktoren abhängig:
- Temperatur im Stall,
- Luftfeuchtigkeit,
- Luftaustausch und Lüftung,
- Bauweise und verwendete Materialien,
- vorhandene Restwassermengen,
- Zugänglichkeit verdeckter Bereiche.
Die Trocknung ist damit kein bloßer Wartezeitraum, sondern ein wichtiger
Bestandteil der Hygienekette.
Die erste Desinfektion
Gereinigte Oberflächen gezielt desinfizieren
Nach der Reinigung und ausreichenden Trocknung erfolgt die erste
Desinfektion. Ihr Ziel ist es, die Anzahl vermehrungsfähiger
Mikroorganismen auf den gereinigten Oberflächen deutlich zu reduzieren.
Die Desinfektion ergänzt die Reinigung, ersetzt sie jedoch nicht. Grobe
organische Verschmutzungen, Kot, Staub, Einstreu- und Futterreste müssen
zuvor möglichst vollständig entfernt werden.
Für die Wirksamkeit sind unter anderem folgende Faktoren entscheidend:
- geeignetes Desinfektionsmittel,
- korrekt vorbereitete Oberfläche,
- vorgeschriebene Dosierung,
- ausreichende Einwirkzeit,
- geeignete Temperatur,
- vollständige Benetzung beziehungsweise Verteilung,
- Einhaltung der Produkt- und Sicherheitsvorgaben.
Ein allgemeines Wirkspektrum ist nicht automatisch mit einem direkten
Nachweis gegen jeden einzelnen Krankheitserreger gleichzusetzen.
Erregerspezifische Aussagen dürfen deshalb nur auf Grundlage entsprechender
Produkt- und Prüfnachweise getroffen werden.
Abschließende Desinfektion nach dem Einstreuen
Zusätzlicher Schutz vor der nächsten Einstallung
Nach der ersten Desinfektion, der erneuten Trocknung und dem Einstreuen kann
eine abschließende Raumdesinfektion mittels Ultradiffusion erfolgen. Diese
abschließende Maßnahme ergänzt die zuvor durchgeführte Reinigung und
Oberflächendesinfektion.
Auch bei sorgfältiger Arbeitsweise können einzelne Mikroorganismen in
schwer zugänglichen Bereichen verbleiben. Zusätzlich können während der
Serviceperiode neue Belastungen eingetragen werden – beispielsweise durch:
- Arbeitsgeräte und Werkzeuge,
- Personen oder externe Handwerker,
- eingebrachtes Material,
- Einstreu,
- Staub oder Luftbewegungen,
- nicht vollständig aufbereitete Nebenräume.
Die abschließende Desinfektion wird deshalb möglichst spät innerhalb der
Stallvorbereitung eingeordnet. Auf diese Weise können auch Belastungen
berücksichtigt werden, die nach der ersten Desinfektion erneut in den Stall
gelangt sind.
Für die Ultradiffusion können – entsprechend den jeweiligen Produkt-,
Zulassungs- und Anwendungsvorgaben –
FUMAGRI HA oder
FUMAGRI OPP eingesetzt werden.
Futterlagerung und Futtermitteltransport
Futtersilos und Fördersysteme hygienisch einbeziehen
Futtersilos und das gesamte Futtermitteltransportsystem sind wichtige
Bestandteile des betrieblichen Hygienekonzeptes. Futterreste, Staub,
Feuchtigkeit und andere organische Ablagerungen können im System verbleiben,
hygienische Probleme verursachen und neu angeliefertes Futter verunreinigen.
Während der Serviceperiode sollten Silozellen und die zugehörigen
Förderelemente deshalb möglichst vollständig von Staub und Rückständen
befreit werden.
In das Hygienekonzept gehören insbesondere:
- Futtersilos und Silodecken,
- Förderschnecken,
- Rohrleitungen,
- Dosieranlagen,
- Wiegeeinrichtungen,
- Verteilsysteme,
- Futtertröge,
- Übergabestellen zum Stall.
Nach einer geeigneten gründlichen Reinigung kann eine anschließende
Desinfektion vorgesehen werden. Entsprechend den jeweiligen Produkt- und
Anwendungsvorgaben können hierbei
FUMAGRI HA oder
FUMAGRI OPP mittels Ultradiffusion
eingesetzt werden.
Das Trockenaerosol kann sich im geschlossenen Silo und in geeigneten
angeschlossenen Bereichen des Futtermitteltransportsystems verteilen.
Dadurch können auch Oberflächen in das Desinfektionskonzept einbezogen
werden, die unmittelbar nur schwer zugänglich sind.
Technik- und Funktionsbereiche
Nebenräume gehören ebenfalls zum Hygienekonzept
Technikräume, Schalträume, Vorräume, Hygieneschleusen, Versorgungsgänge und
andere Funktionsbereiche können Mikroorganismen über Personen, Geräte, Staub
oder Materialien aufnehmen und innerhalb des Betriebes weitertragen.
Deshalb sollten nicht nur die eigentlichen Stallflächen, sondern auch
angrenzende Räume und betriebliche Schnittstellen während der
Serviceperiode berücksichtigt werden.
Bereiche, die für eine Nassreinigung und Nassdesinfektion geeignet sind,
sollten entsprechend den betrieblichen Vorgaben behandelt werden.
Feuchtigkeitsempfindliche Bereiche benötigen dagegen eine angepasste
Vorgehensweise.
Hier kann eine gründliche Trockenreinigung mit einem geeigneten Sauger
sinnvoll sein. Dessen Filtertechnik sollte verhindern, dass aufgenommener
Feinstaub wieder in den Raum abgegeben wird.
Für geeignete Bereiche, in denen eine Nassdesinfektion nicht infrage kommt,
kann die Ultradiffusion mit
FUMAGRI OPP oder
FUMAGRI HA eine trockene
Alternative beziehungsweise Ergänzung darstellen. Voraussetzung ist immer,
dass das jeweilige Produkt für den konkreten Bereich vorgesehen ist.
Lüftung und Tränkesysteme
Häufig übersehene Hygienebereiche
Lüftungseinrichtungen können erhebliche Staubmengen aufnehmen und im Stall
verteilen. Werden sie bei der Reinigung nicht berücksichtigt, können
bereits aufbereitete Flächen erneut belastet werden.
Zu kontrollieren sind – abhängig von der vorhandenen Anlage –
beispielsweise:
- Lüftungskanäle,
- Ventilatoren,
- Klappen und Luftführungen,
- Zu- und Abluftöffnungen,
- Filter und Schutzgitter,
- zugängliche Flächen innerhalb der Lüftungsanlage.
Auch Tränkesysteme stellen einen eigenständigen Hygienebereich dar. In
Leitungen können sich organische und mineralische Ablagerungen sowie
Biofilme entwickeln. Deshalb benötigen Wassersysteme eine für das jeweilige
Leitungssystem geeignete Reinigungs- und Hygienestrategie.
Produkte und Verfahren für die Raum- oder Oberflächendesinfektion dürfen
nicht ohne entsprechende Freigabe in Wasserleitungen eingesetzt werden.
Maßgeblich sind die technischen Vorgaben des Tränkesystems und die
verbindlichen Anwendungshinweise der dafür eingesetzten Produkte.
Ultradiffusion als Trockenaerosol-Rauchverfahren
Was versteht man unter Ultradiffusion?
Die Ultradiffusion ist ein Trockenaerosol-Rauchverfahren zur Verteilung
eines Wirkstoffes in einem geschlossenen Behandlungsraum. Dabei entstehen
sehr feine Aerosolpartikel, die mit den Luftbewegungen im Raum transportiert
werden.
Aufgrund ihrer geringen Partikelgröße können sie auch Bereiche erreichen,
die durch eine direkte Oberflächenbehandlung nur schwer zugänglich sind.
Dazu gehören beispielsweise:
- Ritzen und Spalten,
- Fugen und Ecken,
- konstruktionsbedingte Hohlräume,
- Bereiche hinter technischen Einbauten,
- schwer erreichbare Oberflächen innerhalb geeigneter geschlossener Systeme.
Die Ultradiffusion ersetzt weder die gründliche Reinigung noch eine
vorgesehene klassische Oberflächendesinfektion. Sie ergänzt das
Hygienekonzept dort, wo eine räumliche Verteilung des Wirkstoffs ohne
zusätzlichen Feuchtigkeitseintrag von Vorteil ist.
Raumdesinfektion über den Luftweg
Bei einer Desinfektion über den Luftweg wird der Wirkstoff über ein Aerosol
beziehungsweise ein vergleichbares Trägermedium im geschlossenen Raum
verteilt. Anschließend setzt er sich auf den zugänglichen Oberflächen ab.
Eine solche Raumbehandlung ist als ergänzender Desinfektionsschritt zu
verstehen. Sichtbare Verschmutzungen und organische Belastungen müssen zuvor
möglichst vollständig entfernt werden.
Ob ein bestimmtes Verfahren für einen Stall oder Funktionsbereich geeignet
ist, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- eingesetztem Produkt,
- Größe und Beschaffenheit des Raums,
- vorhandener Lüftungs- und Stalltechnik,
- Materialien und Oberflächen,
- Temperatur und Luftbewegung,
- vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen,
- verbindlichen Anwendungs- und Zulassungsvorgaben.
Schwer zugängliche Bereiche erreichen
Die sehr feinen Aerosolpartikel verteilen sich mit den Luftbewegungen im
geschlossenen Behandlungsraum. Dadurch können auch Ritzen, Fugen, Ecken und
konstruktionsbedingte Hohlräume in die Behandlung einbezogen werden.
Nicht zutreffend wäre die Erklärung, dass ein hoher Raum- oder Dampfdruck
den Wirkstoff mechanisch in diese Bereiche drückt. Entscheidend sind
vielmehr die feine Partikelverteilung, die Luftbewegung im Raum sowie die
korrekte Vorbereitung und Durchführung.
Auch schwer zugängliche Stellen müssen vor der Anwendung so weit wie
möglich gereinigt werden. Das Trockenaerosol darf nicht als Ersatz für die
Entfernung organischer Rückstände verstanden werden.
Kaltvernebelung, Raumvernebelung und Ultradiffusion
Die Verfahren fachlich unterscheiden
Der Begriff „Raumvernebelung“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als
Sammelbegriff für unterschiedliche Verfahren verwendet. Technisch sollten
diese Verfahren jedoch nicht gleichgesetzt werden.
Bei einer klassischen Kaltvernebelung wird eine flüssige Anwendungslösung
mechanisch in feine Flüssigkeitströpfchen überführt und im Raum verteilt.
Bei den hier beschriebenen FUMAGRI-Anwendungen handelt es sich dagegen um
eine Ultradiffusion beziehungsweise ein Trockenaerosol-Rauchverfahren.
Auch Begriffe wie:
- Stall vernebeln,
- Stall ausräuchern,
- Rauchdesinfektion,
- Verräucherung,
- Aerosoldesinfektion,
- Trockendesinfektion
werden in der Praxis und bei Suchanfragen verwendet. Sie sind jedoch nicht
automatisch als fachlich identische Verfahren zu verstehen.
Für eine einheitliche und präzise Bezeichnung wird im
FUMAGRI-Wissensbereich deshalb der Begriff
„Ultradiffusion (Trockenaerosol-Rauchverfahren)“ verwendet.
Vorteile der Ultradiffusion
Trockene Raumdesinfektion ohne zusätzlichen Nassauftrag
Die Ultradiffusion ermöglicht die räumliche Verteilung sehr feiner
Aerosolpartikel in einem geschlossenen Behandlungsraum. Dadurch können auch
schwer unmittelbar zugängliche Oberflächen in die Behandlung einbezogen
werden.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass keine flüssige
Anwendungslösung als Kaltnebel in den Raum eingebracht wird. Das kann
insbesondere dann relevant sein, wenn zusätzliche Feuchtigkeit unerwünscht
ist – beispielsweise:
- nach dem Einstreuen,
- in geeigneten Technikräumen,
- in Schalträumen,
- in geeigneten Lagerbereichen,
- in geschlossenen Futtersilos,
- in feuchtigkeitsempfindlichen Funktionsbereichen.
Die konkrete Eignung, Wirksamkeit, Dosierung und zulässige Anwendung richten
sich immer nach dem eingesetzten Produkt sowie den aktuellen Produkt-,
Etikett-, Zulassungs- und Sicherheitsvorgaben.
Stallhygiene als vollständige Prozesskette
Reinigung und Desinfektion richtig aufeinander abstimmen
Eine erfolgreiche Stallhygiene wird nicht durch eine einzelne Maßnahme
bestimmt. Entscheidend ist, dass Reinigung, Trocknung, Desinfektion,
Stallvorbereitung und Schutz vor Rekontamination in einer sinnvollen
Reihenfolge erfolgen.
Die auf dieser Seite beschriebenen Schritte bilden daher einen Teil des
vollständigen Hygieneplans – von der Ausstallung bis zur nächsten
Einstallung.